Aufruf

AUFRUF ZUM STREIK!

„Wenn wir die Arbeit niederlegen, steht die Welt still.”

Am 8. März ist Internationaler Frauenkampftag. Schon 1994 gab es in Deutschland einen Frauen*-Streik, dessen Forderungen an Aktualität nicht verloren haben. Über die Welt breitet sich eine Bewegung von streikenden Frauen* und Queers aus, von Polen bis Argentinien, von New York bis Hongkong, von Spanien über Nigeria bis Australien. Auch wir sehen Grund zum Streik und sagen: Es reicht! Lasst uns am 8. März zusammen streiken!

Ständig werden wir diskriminiert, unterdrückt und ausgebeutet. Wir werden tagtäglich mit verletzenden Witzen, Kommentaren, Übergriffen und körperlicher Gewalt klein gemacht. Unsere Arbeit wird geringgeschätzt und noch immer verdienen Frauen* in Deutschland im Schnitt 22% weniger als Männer. Nicht nur das, zu Hause übernehmen wir unzählige Stunden an Erziehungs -, Haushalts- und Pflegearbeit. Manche von uns tun dies auch schlecht bezahlt im Zuhause anderer. Für Familie, Freund*innen, Partner*innen und Kolleg*innen leisten wir oft emotionale Unterstützung. Im Alter kommen wir mit unserer Rente kaum oder gar nicht über die Runden. So verschieden wir sind, wir sind alle Arbeiter*innen, weil wir arbeiten müssen – egal ob wir mit dem Kugelschreiber, dem Schraubenschlüssel, dem Computer oder dem Besen in der Hand arbeiten, ob wir dafür einen Lohn bekommen oder nicht. Es wird von uns erwartet, dass wir diese Arbeit klaglos, unbeachtet und wie selbstverständlich mit einem Lächeln erledigen. Wir lassen uns das nicht länger gefallen! Wir streiken!

Wir wollen streiken…

… weil wir in einer Welt leben wollen, in der jede Arbeit wertgeschätzt wird.
… weil wir uns nicht länger ausbeuten lassen, weder zu Hause, noch auf der Lohnarbeit.
… weil unsere Zeit uns gehört und wir selbst bestimmen wollen, wann und wie wir arbeiten.
…. weil wir alle auf die Fürsorge anderer angewiesen sind und diese Sorgearbeit in der kapitalistischen Ökonomie systematisch abgewertet wird.
… weil wir das Ende des Pflegenotstands, des Mangels an kostenloser Kinderbetreuung, die Aufwertung der Geburtshilfe und der Reinigungsarbeit verlangen.
… weil wir nicht länger zulassen, dass schlecht bezahlte Arbeiten auf Frauen* und Queers in unsicheren und rechtlosen Verhältnissen abgewälzt werden.
…weil wir auf bestehende patriarchale und männliche Machtstrukturen und geschlechtliche Arbeitsteilung insbesondere innerhalb des Kapitalismus aufmerksam machen wollen.
… weil wir wollen, dass keine von uns abgewertet oder kriminalisiert wird, wenn wir Sexarbeit leisten. Stattdessen sollen Strukturen aufgelöst werden, die Autonomie und Freiwilligkeit gefährden und dadurch zur Zwangsprostitution führen können.
… weil wir alle das gleiche Recht auf Gesundheitsversorgung, Bildung und Wohnraum haben.

…weil wir Normalität hinterfragen und Vielfalt feiern.
… weil wir selbst über unsere Körper bestimmen wollen und ob und wann wir schwanger werden oder ob wir eine ungewollte Schwangerschaft beenden.
…weil wir eine grundsätzliche Debatte über pränataldiagnostische Verfahren und über deren gesellschaftliche Auswirkungen fordern.
… weil wir keine starre Einteilung in Frau und Mann brauchen, sondern eine Anerkennung und Geschlechtergerechtigkeit für Trans-Männer, -Frauen, nicht-binäre und Interpersonen.
… weil wir selbst entscheiden wollen, wen wir lieben, ob, wann und mit wem wir Sex haben.
… weil wir uns nicht länger vorschreiben lassen, was oder wen wir schön finden, wie wir auszusehen oder uns zu kleiden haben.
… weil wir nicht wollen, dass Menschen bei der gesellschaftlichen Teilhabe behindert werden.

… weil wir nicht länger hinnehmen werden, dass Frauen* und Queers sexuelle Übergriffe erleiden oder ermordet werden.
… weil wir klar machen wollen, dass Gewalt nicht erst bei Schlägen anfängt, sondern bei verbalen Verletzungen, Bevormundungen jeglicher Art oder Isolierung von der Außenwelt.
… weil wir keinen Schutz vor Männern brauchen, sondern ein Ende jeder Gewalt. Jeder Angriff auf eine Frau* ist ein Angriff auf uns alle!

… weil wir nicht länger hinnehmen wollen, dass Kriege täglich hunderte Menschen vertreiben und töten, vor allem im Globalen Süden. Die deutsche Regierung, die Bundeswehr, sowie die Deutsche Wirtschaft mischen dabei vor allem mit Rüstungsexporten ordentlich mit.
… weil wir es nicht dulden, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken und die, die es nach Deutschland schaffen, entrechtet, ausgegrenzt und angegriffen werden.
… weil wir uns gegen Lagerunterbringung, Abschiebungen und Behördenschikanen einsetzen.
… weil wir uns gegen Gesetze wehren, die uns ungleich machen, trennen und kriminalisieren.
… weil wir nicht länger in Frauen* und Queers mit oder ohne deutschen Pass, in Migrant*innen und Deutsche, spalten und gegeneinander ausspielen lassen.
… weil wir uns gegen rechte Politik und den Aufstieg faschistischer und religiös-fundamentalistischer Bewegungen stellen, wie sie gerade überall auf der Welt zu beobachten sind.
… weil unsere feministischen Inhalte für die Befreiung aller Menschen stehen und sich nicht von rechten Parteien und Gruppierungen vereinnahmen lassen.
… weil wir nicht länger zusehen, wenn weltweit die Natur derart zerstört wird, dass es unser aller Leben gefährdet. Deutsche Unternehmen sind verantwortlich für die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen in vielen Teilen der Welt. Der Frauen*streik ist auch ein Streik für die Erhaltung der Umwelt und die nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen für alle!
…weil wir wollen, dass der politische Streik überall als Protestform etabliert wird.

Wir bestreiken am 8. März unwürdige Zustände, indem wir

… nicht zur Arbeit gehen.

… die Hausarbeit liegen lassen.

…Sorgearbeit verweigern, um sie sichtbar zu machen.

… nicht zur Schule, Berufsschule oder Hochschule gehen.

… uns versammeln, austauschen und Pläne für unsere Zukunft schmieden.

Wir werden uns gegenseitig dabei unterstützen, dass wir alle an diesem globalen Streik teilnehmen können. Unsere Aktionen sind vielfältig! Redet mit euren Kolleg*innen, Freund*innen, Nachbar*innen, Müttern, Großmüttern, Tanten und Schwestern! Werdet gemeinsam aktiv! Sammelt Euch, lernt einander kennen, hört einander zu! Lasst uns Streik-Komitees an allen Orten gründen! Dies ist der Beginn einer wachsenden Bewegung!

Wir sind solidarisch mit allen Menschen, die sich mit unseren Forderungen identifizieren, unabhängig davon, ob sie streiken oder nicht.